Der Weg ist das Ziel - meine schönsten Sportmomente brauchten keine Startnummer
Der Weg ist tatsächlich das Ziel.
Dieser Satz wird oft benutzt. So oft, dass er fast schon abgedroschen wirkt. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass er für mich persönlich stimmt.
Wenn ich heute auf über 30 Jahre Ausdauersport zurückblicke, dann erinnere ich mich natürlich an Wettkämpfe. An Zieleinläufe, Bestzeiten und Medaillen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, sind das nicht die Momente, die mich am meisten geprägt haben.
Die schönsten Sporterlebnisse meines Lebens hatten keine Startnummer.
Ich erinnere mich an lange Läufe durch verschneite Winterlandschaften. An einsame Radausfahrten bei Sonnenaufgang. An Tage, an denen ich stundenlang unterwegs war und irgendwann völlig in meinem Rhythmus aufgegangen bin.
Keiner dieser Momente taucht in irgendeiner Ergebnisliste auf. Keiner davon brachte eine Medaille. Und trotzdem haben sie sich oft wertvoller angefühlt als so mancher Wettkampf.
Vielleicht habe ich deshalb in den letzten Wochen gemerkt, dass mich vieles rund um große Veranstaltungen zunehmend belastet. Nicht der Sport an sich. Den liebe ich nach wie vor. Sondern das Drumherum.
Anreise. Hotels. Parkplätze. Shuttlebusse. Wechselzonen. Menschenmassen. Zeitpläne.
Früher habe ich das alles als notwendigen Teil des Sports akzeptiert. Heute frage ich mich immer öfter, ob ich das überhaupt brauche.
Denn wenn ich an die schönsten Momente denke, dann sehe ich mich selten auf einer Bühne oder im Zielkanal. Ich sehe mich meistens irgendwo unterwegs. Mit Laufschuhen, auf dem Rad oder einsam meine Bahnen ziehend an einem regnerischen Tag im Freibad. Ohne Zuschauer und ohne Startnummer.
Einfach nur in Bewegung.
Vielleicht ist das eine Erkenntnis, die erst mit den Jahren kommt. Vielleicht verändert sich der Blick auf den Sport, wenn man nicht mehr jedem Wettkampf hinterherjagt. Vielleicht erkennt man irgendwann, dass die eigentliche Belohnung längst stattgefunden hat, bevor der Wettkampf überhaupt beginnt.
Der Wettkampf ist oft nur der Schlusspunkt eines Projekts. Die eigentliche Geschichte wurde aber vorher geschrieben.
In den Wochen und Monaten des Trainings. In den Einheiten, die niemand gesehen hat. In den frühen Morgenstunden. In den langen Läufen. In den Momenten, in denen man sich überwinden musste. Aber auch in den Momenten, in denen man einfach glücklich war, draußen unterwegs gewesen zu sein.
Deshalb habe ich für mich beschlossen, den Blick wieder stärker auf genau diese Dinge zu richten. Auf das Training. Auf die Bewegung. Auf neue Projekte. Auf Erlebnisse.
Natürlich werde ich auch weiterhin Wettkämpfe machen. Wahrscheinlich sogar wieder Triathlons. Vielleicht irgendwann noch einmal eine Langdistanz. Aber ich möchte nicht vergessen, warum ich vor all den Jahren überhaupt mit diesem Sport begonnen habe. Nicht wegen der Medaillen oder der Ergebnislisten.
Sondern weil ich es liebe, unterwegs zu sein.
Und weil der Weg manchmal tatsächlich das eigentliche Ziel ist.

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